Hauptinhalt

Türkei

Wirtschaft

Stand: Juni 2017

Aktuelle wirtschaftliche Lage

Das durchschnittliche Wirtschaftswachstum der letzten 10 Jahre lag bei 4%. Für 2016 ist allerdings eine leichte Eintrübung der Entwicklung zu verzeichnen: Mit 2,9% blieb das Wirtschaftswachstum hinter den Raten der Vorjahre zurück (2015:4 %). Insbesondere der Tourismus-Sektor, der 2015 noch 12,9% zum BIP beitrug, verzeichnete empfindliche Einbußen. Im Jahr 2016 ging der Zustrom ausländischer Touristen in die Türkei um rund 30% zurück.

Das Leistungsbilanzdefizit der Türkei bleibt ausgeprägt und betrug im Jahr 2016 ca. 4,3% des BIP. Die Sparquote (2016: 12,6% des BIP) ist im internationalen Vergleich sehr niedrig. Die türkische Industrie bleibt stark von importierter Energie und Rohstoffen abhängig. Zum Ausgleich ihrer Leistungsbilanz ist die Türkei in hohem Maße von ausländischen Kapitalzuflüssen abhängig. Die türkische Regierung zielt daher durch eine Reihe von Maßnahmen auf eine Verringerung des hohen Leistungsbilanzdefizits ab. Dazu gehört einerseits die Verringerung ihrer (Energie-) Importabhängigkeit u.a. durch die verstärkte Nutzung von Erneuerbaren Energien, den Bau von zwei Atomkraftwerken, die Stärkung ihrer Industrieproduktion sowie die Förderung ihrer Exportwirtschaft.

Die Türkei wickelt über 40% ihres Außenhandels mit den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union ab. Die wichtigsten Ausfuhrgüter sind Textilien, Kraftfahrzeuge bzw. Kfz-Teile, Nahrungsmittel, Maschinen, Elektrotechnik sowie Eisen und Stahl. Das Handelsbilanzdefizit verringerte sich im Jahr 2016 bedingt durch die niedrigen Ölpreise und lag bei ca. 56 Mrd. USD. Hauptursache für das Ungleichgewicht im Außenhandel bleibt weiterhin die hohe Importabhängigkeit an Energie- und Rohstoffen sowie Halbwaren für die Industrieproduktion. Dies hat zur Folge, dass Zuwächse in der Industrieproduktion automatisch weitere Anstiege bei den Einfuhren generieren.

Der Rückgang der Importe dürfte auch auf die weitere Abwertung der Türkischen Lira zurückzuführen sein. Die sich wiederholenden volatilen Ausschläge zeigen, wie anfällig der Kurs der Lira weiterhin auf politische Entwicklungen reagiert. Seit dem gescheiterten Putschversuch im Juli 2016 hat sich der Abwertungsdruck auf die Türkische Lira weiter erhöht, seit Jahresbeginn 2017 hat sie gegenüber dem EUR um weitere 9 % abgewertet. Der Wertverlust der Lira schürt die Inflation, die nach 7,7% im Jahr2015 auf 8,5% im Jahr 2016 gestiegen ist. Sie lag damit erneut deutlich über dem längerfristigen Inflationsziel der Notenbank (6,5%). Sorge bereitet ebenfalls die im internationalen Vergleich sehr niedrige Sparquote, die 2016 sogar um 1,4% auf 12,6% des BIP absank,  bei gleichzeitiger Überschuldung einer zunehmenden Anzahl von Privathaushalten und Unternehmen. Durch die Förderung von Spareinlagen im privaten Rentenversicherungssystem soll hier eine Besserung erzielt werden. Die Staatsverschuldung bleibt zugleich auf geringem Niveau. 


Arbeitslosigkeit, Beschäftigungsquote und Erwerbseinkommen

Die Arbeitslosigkeit bleibt ein gravierendes Problem. Aus der jungen Bevölkerung drängen jährlich mehr als eine halbe Million Arbeitssuchende auf den Arbeitsmarkt, können dort aber nicht vollständig absorbiert werden. Die bereits hohe Jugendarbeitslosigkeit stieg im Sept. 2016 gegenüber dem Vorjahr von 18,5 auf 19,9%.Hinzu kommt das starke wirtschaftliche Gefälle zwischen strukturschwachen ländlichen Gebieten (etwa im Osten und Südosten) und den wirtschaftlich prosperierenden Metropolen. Auf der Suche nach Arbeit und besseren Lebensbedingungen wandert die ländliche Bevölkerung daher weiterhin in die Städte und industriellen Zentren ab. Die Regierung erhofft sich durch diverse geplante Maßnahmen wie einer schrittweisen Flexibilisierung des Arbeitsmarkts, einer Fort- und Weiterbildungsoffensive für Fachkräfte und eine weitere Verbesserung von beruflichen Ausbildungssystemen die Schaffung von bis zu 1,5 Mio. neuen Arbeitsplätzen in den kommenden drei Jahren.

Die durchschnittliche Arbeitslosenquote lag im Jahr 2016 bei 10,9%. Herausforderungen für den Arbeitsmarkt bleiben der weiterhin hohe Anteil der Schwarzarbeit und die relativ niedrige Erwerbsquote von Frauen (ca. 30%). Dabei bezieht der überwiegende Teil der in Industrie, Landwirtschaft und Handwerk erwerbstätigen Arbeiter weiterhin den offiziellen "Mindestlohn". Er wurde für das Jahr 2016 auf 1.647 Türkische Lira brutto festgesetzt. Die Entwicklung der Realeinkommen hat mit der Wirtschaftsentwicklung nicht Schritt halten können, so dass insbesondere die ärmeren Bevölkerungsschichten am Rande des Existenzminimums leben.


Wirtschaftssektoren

Vor allem in der Westtürkei sind die Leicht- und Schwerindustrie stark vertreten (Textil, Fahrzeuge, Chemie, Maschinen, Elektrobranche) und tragen ca. 25% zum BIP bei. Größten Anteil am BIP (ca. 60%) hat der Dienstleistungssektor mit weiter steigender Tendenz. Laut Angaben der Weltbank arbeiten noch über ein Drittel der Erwerbsbeschäftigten in der Landwirtschaft und leisten einen Beitrag von knapp 10% zum BIP. Im auch infrastrukturell vergleichsweise geringer entwickelten Osten und Südosten wird überwiegend Semi-Subsistenz-Landwirtschaft betrieben. Im Südosten werden seit Mitte der 1980er Jahre erhebliche Entwicklungsanstrengungen unternommen (GAP-Projekt mit Staudämmen, Kraftwerken, Elektrifizierung, Bewässerungsanlagen, Straßen, Telekommunikation), was das bestehende West-Ost Gefälle aber bisher nur wenig verringern konnte.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


Seite teilen:

Einreise & Aufenthalt

Auswärtiges Amt

Reise und Sicherheit

Außen- und Europapolitik

Ausbildung & Karriere