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„Hunderttausend ausländische Fachkräfte? Das reicht nicht!“ - Namensbeitrag von Bundesministerin des Auswärtigen Annalena Baerbock und Bundesminister für Arbeit und Soziales Hubertus Heil in der FAZ

05.06.2023 - Namensbeitrag

Er ist einer der größten Gesundheitsversorger Deutschlands: Mit sechs Krankenhäusern und über 6000 Beschäftigten versorgt der Klinikverbund Südwest in Baden-Württemberg eine ganze Region – mehr als eine halbe Million Menschen.

Aber die Kliniken haben ein massives Problem: Immer wieder können Betten nicht belegt werden, weil es an Personal fehlt. Die Krankenhäuser finden nicht mehr genügend Pflegekräfte.

Und auf der anderen Seite des Atlantiks, in Brasilien, ist jede zehnte Pflegekraft arbeitslos – trotz guter Ausbildung.

Genau darum geht es uns, wenn wir diese Woche nach Lateinamerika reisen. Wir werden in Brasilien für den deutschen Arbeitsmarkt werben – auf Regierungsebene, aber vor allem bei den Profis aus der Praxis, im Krankenhaus und bei der Pflegekammer. Wir wollen neue Partnerschaften schließen, auch über den Pflegebereich hinaus.

Denn die Situation in unseren Krankenhäusern steht für eine Entwicklung, die nahezu alle Branchen und Regionen in Deutschland erfasst hat – von der Bäckerei um die Ecke bis zum High-Tech Weltmarktführer. An vielen Stellen fehlen Fachkräfte, die unser Land und unsere Wirtschaft jahrzehntelang so erfolgreich gemacht haben.

Aktuell gibt es in Deutschland 1,7 Millionen offene Stellen. In 200 Berufen gibt es bereits Engpässe mit erheblichen Problemen bei der Stellenbesetzung. Deswegen hat diese Bundesregierung die Fachkräftesicherung zu einer ihrer Prioritäten gemacht.

Es geht einerseits darum, alle inländischen Potenziale zu heben um noch mehr Menschen auf dem Arbeitsmarkt eine Chance zu geben. Dazu führen wir eine Ausbildungsgarantie ein und stärken die berufliche Weiterbildung. Gleichzeitig steigern wir die Frauenerwerbsquote und integrieren Arbeitslose nachhaltig in den Arbeitsmarkt.

Und andererseits brauchen wir ergänzend dazu dringend Menschen aus dem Ausland. Im letzten Jahr sind neben den Fachkräften aus EU-Staaten nicht mal 100.000 Fachkräfte aus Drittstaaten zu uns gekommen. Das reicht nicht.

Die Wahrheit ist: Im deutschen Vorschriften-Dschungel verlieren wir immer noch viele gut qualifizierte Menschen, die wir auf unserem Arbeitsmarkt gebraucht hätten. Warum sollte eine brasilianische Krankenpflegerin monatelang auf deutsche Behörden warten, wenn der Weg nach Portugal, Kanada oder in die USA viel unkomplizierter ist?

Das wollen wir ändern. Denn diese Bundesregierung steht für Fortschritt – auch in der Einwanderungspolitik.

Dazu gehört, dass wir Geflüchtete besser in den Arbeitsmarkt integrieren. Dazu gehört, dass wir legale Migration in unser Land vereinfachen. Und dazu gehört eine aktive, partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Ländern, in denen es ein Interesse an Arbeitsmigration gibt.

Die Deutsche Botschaft Brasília hat deshalb die Bundesagentur für Arbeit und die brasilianische Pflegekammer zusammengebracht, um gezielt Pflegekräfte für Deutschland zu gewinnen.

Damit diese Menschen dann auch zu uns kommen, brauchen wir ein Einwanderungsverfahren auf der Höhe der Zeit.

Dafür digitalisieren wir endlich die deutschen Verfahren. In unserem Pilotland Brasilien können hochqualifizierte Fachkräfte schon jetzt ihre Unterlagen für die Beantragung der Blauen Karte EU digital einreichen und haben innerhalb weniger Tage ihr Visum in der Hand. Bis 2025 ermöglichen wir dieses Verfahren weltweit und für alle Aufenthaltszwecke.

Wir flexibilisieren die Arbeitsabläufe unserer Behörden und bauen Bürokratie ab. Im Bundesamt für Auswärtige Angelegenheiten, das wir vor zwei Jahren in Brandenburg geschaffen haben, wollen wir bis Ende 2024 viermal so viele Visa für Fachkräfte bearbeiten wie bisher.

Auch in unseren Visa-Stellen beschleunigen wir die Verfahren, indem wir unseren Auslandsvertretungen ermöglichen, mehr Entscheidungen vor Ort treffen und damit auch die Ausländerbehörden entlasten.

Gleichzeitig erweitern wir die Beschäftigungsmöglichkeiten für Hochqualifizierte und schaffen neue Wege für Menschen, die einen in ihrem Herkunftsland anerkannten Berufsabschluss und Berufserfahrung mitbringen. Zudem führen wir eine Chancenkarte zur Arbeitssuche ein.

Diese Maßnahmen im In- und Ausland sind Teil eines politischen Paradigmenwechsels in der deutschen Migrationspolitik. Gemeinsam schaffen wir das modernste Einwanderungsrecht Europas.

Aber wenn wir Menschen dauerhaft für Deutschland begeistern wollen, dann müssen wir ihnen die Hand reichen und ihre Herzen gewinnen.

Deshalb müssen natürlich auch die Familien von Fachkräften nach Deutschland nachziehen und ihre Kinder in die Kita gehen können. Vor allem aber müssen sich diese Menschen bei uns wohl fühlen.

Der Klinikverbund Südwest hat dieses Jahr die ersten brasilianischen Pflegekräfte eingestellt. Sie wurden in São Paulo rekrutiert und haben dort auch bereits Deutsch gelernt. Die Mitarbeitenden des Klinikverbunds helfen ihnen, Behördengänge zu erledigen und ein Konto zu eröffnen. Eine Wohnung bekommen sie auch gestellt.

Das ist der Ansatz, mit dem wir für Deutschland werben wollen. Für ein modernes Einwanderungsland und für die Zukunft unserer Gesellschaft.

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