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Grußwort der Außenministerin zum Tag der Helferinnen und Helfer des Technischen Hilfswerks (THW)

19.09.2022 - Rede

„Was zählt ist die Gemeinschaft, nicht wo man herkommt. Wir packen alle gemeinsam an – egal welcher Orts- oder Kreisverband wir sind.“

Das hat ein THW-Helfer gesagt, der im Sommer gegen die Waldbrände in Brandenburg gekämpft hat.

Und ich glaube, das ist auch genau das Motto, das die THW-Familie so wahnsinnig stark macht: Nicht erst zu fragen, sondern anzupacken, und zwar gemeinsam. Nicht sich selbst zu sehen, sondern die Gemeinschaft.

Der Dank der Bundesinnenministerin an Sie alle hat, glaube ich, deutlich gemacht, wie groß diese Gemeinschaft ist und wie viele Akteure darum herum mit dazugehören. 3,7 Millionen Einsatzstunden haben Sie gemeinsam im letzten Jahr geleistet, im Inland und im Ausland. Das schafft niemand alleine – das schafft man nur als starke Gemeinschaft.

Und hinter dieser Zahl – 3,7 Millionen Stunden, das kann man sich gar nicht vorstellen –, da stehen für jede Einzelne und jeden Einzelnen von Ihnen so viele Nächte auf Feldbetten, so viele Tage getrennt von der Partnerin oder der dem Partner, so oft seinen Kindern sagen zu müssen: „Das ist jetzt ganz wichtig, Mama muss schnell in den Einsatz fahren. Und ich bin erst in fünf oder sieben Tagen wieder da.“

Da ist immer ein bisschen Schmerz und Unsicherheit mit dabei – aber vor allen Dingen ganz viel Herzblut.

Und die schlechte Nachricht, die wir Ihnen mit auf den Weg geben müssen, ist: Es werden nicht weniger Stunden werden, es braucht Ihr Herzblut auch weiterhin. Denn die Folgen der Klimakrise treffen uns weiterhin mit massiver Wucht. Wir haben das gerade in Pakistan auf brutale Art und Weise gesehen. Und zeitgleich sind etliche von Ihnen noch im Einsatz rund um das Ahrtal.

Und wenn man sich diese Einsätze ansieht, das hat die Bundesinnenministerin, das hast Du, liebe Nancy, gerade nochmal deutlich gemacht, dann kann man Katastrophenschutz nicht in eine nationale und internationale Aufgabe teilen: Weil Krisen weder an Ländergrenzen haltmachen noch an internationalen Grenzen.

Dieses grenzüberschreitende Denken war beim THW von Anfang an mit dabei. Dass man als Gemeinschaft nicht fragt, wo man herkommt, sondern sagt: Wir packen mit an, als Nachbarbundesland, als Nachbarstaat oder weltweit.

Ich werde oft bei meinen Auslandsreisen auf Ihre Arbeit angesprochen. Manche wissen natürlich nicht genau, was das THW ist. Aber die Farbe Blau steht international nicht nur für unsere EU-Missionen, sondern für das THW: Für Ihre Fahrzeuge, für Ihre Arbeit vor Ort. Und da heißt es ganz oft: „Danke, dass Deutschland, dass Ihr uns nach diesem Erdbeben oder nach diesem Hurrikan geholfen habt.“

Diesen Dank und diese Anerkennung wollen die Innenministerin und ich als Außenministerin hier an Sie weitergeben. Sie stehen international für Deutschland. Da fragt dann niemand: Wie unterscheidet sich das THW von der Feuerwehr? Ist das THW angesiedelt beim Innenministerium oder beim Außenministerium? Sie repräsentieren Deutschland, Sie helfen im Namen Deutschlands. Deswegen sind Sie ein Aushängeschild deutscher Außenpolitik. Dafür von meiner Seite herzlichen Dank!

Ich glaube, das Schöne ist dabei, dass man immer etwas mit zurück nimmt, deswegen sind sicherlich viele von Ihnen mit dabei. Das ist auch wichtig für uns auf der politischen Ebene, dass die Auslandseinsätze eben nicht nur ein Geben im Ausland sind, sondern dass Sie diese Erfahrung mit zurückbringen. Und zwar nicht nur die kulturellen Erfahrungen, sondern auch, wie man mit großen Krisen umgeht, gerade bei der Klimakrise. Das stärkt auch unseren Katastrophenschutz im Inland. Es gibt so viele Beispiele dafür und wir werden in der nächsten Stunde noch viel von Ihnen hören.

Ich möchte einmal einzelne, die mich persönlich in den letzten Monaten stark bewegt haben, herausgreifen.

Zum Beispiel Markus Liebl vom Ortsverband München. Am 25. Februar, direkt nach dem brutalen russischen Angriff auf die Ukraine, bekommt er den Anruf: Wir brauchen jetzt jemanden für Logistik. Und am 26. Februar sitzt er im Auto Richtung Krakau, um Ukrainerinnen und Ukrainer mit Decken, Medizin, Kleidung und Nahrung zu versorgen.

So viele von Ihnen haben das in den letzten Wochen und Monaten getan! Sie haben unseren ukrainischen Nachbarn geholfen, an der Grenze, in Polen, in Moldau, aber auch hier bei uns vor Ort, indem Sie geholfen haben, Geflüchteten ein Stückchen neue Heimat zu geben und zugleich die Nachbarländer zu unterstützen.

Heute ist auch Viola Huck bei uns. Als 2019 viermeterhohe Fluten die Küste von Mosambik zerstörten, sind Sie direkt für das THW nach Beira geflogen. Sie reparierten dort Brunnen, damit die Menschen wieder trinken konnten. Eigentlich ist Frau Huck Biologin im Saarland. Und das Interessante daran ist, finde ich, was sie damals zum THW gebracht. Es waren die Fortbildungen: „Ich wollte was Praktisches lernen neben meinem Beruf“. Und dieses Praktische – das bringen Sie dann wieder zu uns zurück.

So ist es auch mit Annika Badorreck aus Cottbus. Beim THW haben Sie als Umweltwissenschaftlerin viel Neues gelernt. Unter anderem, mit Schweißgerät und Motortrennschleifer umzugehen. Sie haben deutlich gemacht: Nirgendwo lernt man so viel über Teamwork wie beim THW.

Und dieses Teamwork, das hat Annika Badorreck dann erneut bei den Waldbränden in Brandenburg gebraucht, wo sie Wege planiert hat, auf denen die Feuerwehr zum Löschen gefahren ist.

Das sind nur drei Beispiele. Und Sie könnten Hunderte, ja Tausende aufzählen. Beispiele der vielen Helferinnen und Helfer, die für das THW stehen.

Und diese Beispiele zeigen auch, dass das nichts Abstraktes ist, sondern etwas ganz Praktisches. Denn Sie retten damit Menschenleben, hier in Deutschland und überall auf der Welt.

Mit 3,7 Millionen Stunden im letzten Jahr im Einsatz. Mit 3,7 Millionen Stunden Herzblut.

Ich habe Ihnen gerade gesagt, ich kann leider nicht versprechen, dass es weniger werden. Aber was wir gemeinsam, ich als Außenministerin und Frau Faeser als Innenministerin, versprechen können, ist, dass wir genauso viel Herzblut geben, um Sie zu unterstützen. Dass wir in dieser Bundesregierung im Teamwork denken und nicht: Was ist mein Ressort, was ist dein Ressort? Sondern dass wir gemeinsam überlegen: Wie kann die Arbeit des THW über Grenzen hinaus auch in der Politik verankert werden?

Deswegen erwähne ich auch immer wieder die Nationale Sicherheitsstrategie, die die Bundesregierung jetzt schreibt. Weil wir als Bundesregierung glauben, dass das ein wirklich großer Schritt ist für Ihre Arbeit, für die Arbeit von vielen Kolleginnen und Kollegen, die zivile Friedensarbeit machen – aber auch für die Bundeswehr-Missionen, die wir im Ausland haben. Wir müssen verstehen, dass wir in einer globalisierten Welt nur vernetzt und integriert agieren können, dass zivile Hilfe und militärische Hilfe nur Hand in Hand funktionieren können. Und, dass wir als Politik dafür die besten Voraussetzungen schaffen müssen.

Und wenn Sie das nächste Mal Ihrer Tochter oder Ihrem Sohn sagen: „Ich bin wieder im Einsatz für Deutschland“ – ob nun bei uns in Deutschland oder im Ausland – da wissen Sie, dass wir mit vollem Herzblut hinter Ihnen stehen.

Und zwar nicht nur, wenn wir Ihnen heute hier danken, sondern während aller 3,7 Millionen Einsatzstunden im Jahr.

Herzlichen Dank!

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